Land in Bewegung

Ist Euch auch etwas aufgefallen? Fährt man übers Land, sieht man inzwischen schon fast in jedem Ort eine Photovoltaikanlage, einen Windpark oder hin und wieder schon mal einen Schweinestall mit angeschlossener Biogasanlage. Aber auch in den Städten hat sich viel getan. Mittlerweile findet man auch häufig auf öffentlichen Gebäuden, Bibliotheken und auch auf Privatdächern die Solaranlagen.

In der letzten Zeit ist die viel versprechende Energiebranche für viele Landwirte eine wichtige (neben-) Einkommensquelle geworden. Schon heute setzen viele auf Erneuerbare Energien und dieser Trend wird auch in den nächsten Jahren dazu beitragen den Anteil erneuerbare Energie von derzeit 8,0 % am gesamten Endenergieverbrauch (Strom, Wärme, Treibstoffe; 2005: 6,6 %) deutlich zu erhöhen. Dieser Boom ist nicht zuletzt dadurch begründet, dass das Einspeisegesetz (EEG) in der Novelle von 2004 deutlich Bewegung bringt. Demnach werden für die Einspeisung Mindestpreise vom Netzbetreiber garantiert, welcher jährlich um mehrere Prozentpunkte sinkt, um so in Zukunft ein Marktniveau zu erreichen, welches ohne staatliche Anreize wachsen kann. Hierbei handelt es sich nicht um eine Subvention im klassischen Sinne, denn die Mehrkosten für den Strom aus erneuerbaren Energien werden an den Endverbraucher weitergegeben. Die enormen Kapazitäten auf dem Land, also Flächen für Solaranlagen auf den Dächern der Ställe, oder für Windkraftanlagen, aber auch Anbaumöglichkeiten für nachwachsende Rohstoffe wie Energiemais für Biogasanlagen, Raps für Treibstoffe und Getreide für Heizkraftwerke, liegen momentan voll im Trend. Nicht zuletzt deswegen spricht man bereits heute: „Die Ölscheichs von Morgen sind die Landwirte“. 

 

 

Gerade in den letzten Wochen ist das Thema der Energieversorgung immer wieder in den Medien aufgetaucht. Ob Gaslieferungen aus Russland, oder die Rohölpreise jenseits von 100 Dollar pro Barrel lassen da den Endverbraucher, also wir alle, auch nicht kalt, denn spätestens an der Zapfsäule oder bei der Nebenkostenabrechnung spüren wir die Verknappung an den Energiemärkten. Doch auch neue Fragen kommen auf und werden diskutiert: Wann kommt die Energiewende? Wie sieht der Energiemix der Zukunft aus? Experten können leider auch nicht hellsehen, erwarten aber die Wende bei fossilen Brennstoffen wie Kohle, Gas, Öl sowie Uran in den nächsten 30-50 Jahren, in Abhängigkeit vom Bevölkerungswachstum und dem damit verbundenen Energieverbrauch. Insbesondere Schwellenländer wie China und Indien erwarten einen enormen Energiehunger, deren Anfänge wir bereits heute spüren.

 In Deutschland haben wir zur Zeit etwa 17 Mio ha landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF), nehmen wir eine Fläche von 2000m²/Kopf für eine gesunde Ernährung an, kämen wir bei 82 Mio Menschen in Deutschland auf eine Fläche von 16,4Mio Ha für die Lebensmittelproduktion, bleiben also rund 0,6 Mio ha für den Anbau von Biomasse. „Energie vom Feld“ kann natürlich auch in fester (Verbrennung von Miscanthus), flüssiger (Umesterung in Raps-Methyl-Ester RME) und gasförmiger (Vergärung zu Biogas) Form energetisch genutzt werden. Jedes dieser Verfahren bietet natürlich seine eigenen Vor- und Nachteile. Energetisch betrachtet hat z.B. der Einsatz von RME nur eine (verhältnismäßig) bescheidene Ausbeute. Der Netto-Energiegewinn, also die Energie die im RME gespeichert ist abzüglich der Energie  die zur Herstellung verwendet wurde (Anbau von Raps, Ernte, Mahlen, Umesterung..) beträgt 30 GJ/ha und Jahr. Wolle man nun die Treibstoffe für den Verkehr in Deutschland durch biogene Kraftstoffe ersetzen, bräuchte man eine enorme Produktionsflächen von ca 2/3 der bisherigen landwirtschaftlichen Fläche. Auch sehen wir an diesen Zahlen, das zwar technisch einiges möglich ist aber dennoch sind an der Umsetzung Grenzen gesetzt. Doch seit diesem Jahr sehen wir uns mit einem weiteren Problem konfrontiert: steigende Preise für Lebensmittel. Des einen Leid ist des anderen Freud, könnte man meinen. Denn nicht zuletzt profitieren auch die Landwirte von dieser Preisentwicklung. Doch eines wird dabei auch deutlich, die Flächen zum Anbau von Lebensmitteln und Energiepflanzen sind begrenzt und stehen heute schon in einem direkten Wettbewerb zueinander. Dies hat auch zur Folge, dass in diesem Jahr beispielsweise deutlich weniger in Biogasanlagen investiert wurde, denn die Flächen, die bisher zum Anbau von Energiemais genutzt werden konnten, werden nun vermehrt für die Lebensmittel benötigt. 

Wir können gespannt sein, wohin die Reise gehen wird, doch eines lässt sich heute schon feststellen. Die Zukunft wird zwei bedeutende Fragen beantworten müssen: Wie stellen wir die Ernährung sicher? Und wie stillen wir den Hunger nach Energie?

 

Elmar Pohl für den AK Agar

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